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Gas steigert die Geburtenrate von Sternen
Wissenschaftler erklären, weshalb in jungen Galaxien besonders viele Sterne entstanden sind
Sterne entstehen aus gigantischen Gaswolken innerhalb von Galaxien. Die Geburtenrate hat sich aber im Lauf der Zeit
verändert. So kamen im jungen Universum deutlich mehr Sterne zur Welt. Jetzt haben Forscher aus dem Max-Planck-Institut
für extraterrestrische Physik zusammen mit Kollegen eine einleuchtende Erklärung dafür gefunden: Normale Galaxien
enthielten wenige Milliarden Jahre nach dem Urknall fünf- bis zehnmal mehr Gas als heutige Galaxien - und stellten damit
eine größere Menge an Rohstoffen für die Sternentstehung bereit.

Fig. 1: Das Interferometer des Radioastronomischen Instituts im Millimeterbereich (IRAM) am Plateau de Bure befindet
sich auf einer Höhe von 2600 Metern in den südlichen, französischen Alpen nähe Gap.
Bild: IRAM
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"Zum ersten Mal war es uns möglich, das kalte molekulare Gas in normalen Galaxien nachzuweisen und abzubilden, wie
sie kurz nach dem Urknall für massereiche Galaxienpopulationen typisch waren", sagt Linda Tacconi vom Max-Planck-Institut
für extraterrestrische Physik, Erstautorin des Artikels in der Zeitschrift Nature.
Die Beobachtungen erlauben einen ersten direkten Blick auf Galaxien - genauer gesagt auf das kalte Gas in diesen
Galaxien, nur drei bis fünf Milliarden Jahre nach dem Urknall. Damals haben diese Milchstraßensysteme anscheinend
mehr oder weniger kontinuierlich Sterne gebildet, allerdings mit einer mindestens zehnmal höheren Rate als in ähnlich
massereichen Galaxien im heutigen Universum.
Die grundlegende Frage lautet nun, ob diese höhere Sternentstehungsrate durch eine größere Menge an kaltem, molekularem
Gas - dem Rohstoff für junge Sterne - hervorgerufen wurde. Oder ob die Sternengeburt im jungen Universum einfach viel
effizienter verlief.
Seit etwa zehn Jahren entwerfen Astrophysiker ein allgemeines Bild davon, wie sich Galaxien bilden und entwickeln,
seit das Universum wenige Milliarden Jahre alt war. Danach sammelte sich unter dem Einfluss der mysteriösen Dunklen
Materie abkühlendes Gas, ähnlich wie Regenwasser in Pfützen. Mit der Zeit strömte Gas von diesen "Materiepfützen" zu
Protogalaxien; Kollisionen und Verschmelzungen dieser Systeme führten dann nach und nach zum hierarchischen Anwachsen
der Galaxienmasse.
Detaillierte Beobachtungen des kalten Gases, seiner Verteilung und Dynamik, sind deshalb von äußerster Wichtigkeit. Denn
nur so lassen sich die komplexen Mechanismen verstehen, die dafür sorgten, dass sich diese ersten Protogalaxien zu modernen
Galaxien wie unserer Milchstraße entwickelten.

Fig. 2: Zwei Ansichten einer typischen Galaxie, 5,5 Milliarden Jahre nach dem Urknall. Links eine Aufnahme des
Hubble-Weltraumteleskops im optischen Licht, rechts die Komposition einer Abbildung mit dem IRAM-Interferometer im
Licht einer Kohlenstoffmonoxid-Linie (rot/gelb) und dem optischen Bild im sogenannten I-Band (grau). Diese Beobachtungen
zeigen zum ersten Mal deutlich, dass die molekulare Emissionslinie und die optische Strahlung der Sterne eine massereiche,
rotierende Scheibe von etwa 60.000 Lichtjahren Durchmesser nachzeichnen. Die Masse des kalten Gases in dieser Scheibe ist
etwa zehnmal größer als in heutigen Galaxien.
Bild: MPE/IRAM
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Eine groß angelegte Studie von entfernten, leuchtkräftigen und massereichen Galaxien mit dem IRAM-Interferometer auf dem
Plateau de Bure (Fig. 1; (1)) brachte jetzt Licht ins Dunkel: Zum ersten Mal gelang es, den Rohstoff für die Sternentstehung
direkt zu beobachten.
Weil die Empfindlichkeit der Messgeräte vor kurzem deutlich verbessert wurde, konnten die Astronomen die Eigenschaften von
kaltem Gas anhand einer Spektrallinie des Kohlenstoffmonoxid-Moleküls in normalen, nicht übermäßig leuchtkräftigen Galaxien
systematisch vermessen - und zwar zu einer Zeit, als das Weltall nur etwa 40 beziehungsweise 24 Prozent seines jetzigen Alters
besaß. Frühere Beobachtungen beschränkten sich meist auf seltene, sehr leuchtstarke Objekte wie etwa verschmelzende Galaxien
oder Quasare, also die Kerne von jungen, aktiven Galaxien.
"Wir haben herausgefunden, dass massereiche normale Galaxien bei einer Rotverschiebung von 1,2 und 2,3 etwa fünf- bis
zehnmal mehr Gas enthalten, als wir im nahen Universum sehen", sagt Linda Tacconi (2). Diese Galaxien zeigen über lange
Zeit eine hohe Sternentstehungsrate. Das heißt: Aus dem Halo aus Dunkler Materie muss kontinuierlich Gas nachströmen -
genau so, wie es kürzlich aufgestellte Theorien vorhersagen. Ein weiteres wichtiges Ergebnis dieser Beobachtungen sind die
ersten räumlich aufgelösten Bilder der Verteilung und Bewegung des kalten Gases in mehreren Galaxien (Fig. 2).
"Die Messungen geben uns entscheidende Hinweise und Randbedingungen für die nächste Generation von theoretischen Modellen,
mit denen wir die frühen Phasen der Galaxienentwicklung genauer untersuchen wollen", sagt Andreas Burkert, Experte für
Sternentstehung und Galaxienentwicklung am Garchinger Exzellenzcluster Universe. "Letztlich werden uns diese Arbeiten auch
dabei helfen, den Ursprung und die Entwicklung unserer Milchstraße zu verstehen."
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(1): Das
Interferometer des Radioastronomischen Instituts im Millimeterbereich (IRAM) am Plateau de Bure befindet sich auf
einer Höhe von 2600 Metern in den südlichen, französischen Alpen nähe Gap. Das PdBI ist derzeit das leistungsfähigste
Millimeter-Interferometer der Welt und das einzige, das die schwache Emissionslinie von CO-Molekülen - dem besten Indikator
für kaltes Gas - in weit entfernten Galaxien nachweisen kann. Das Interferometer besteht aus sechs Teleskopen mit je 15 Meter
Durchmesser, die alle mit einem extrem empfindlichen Heterodyn-Strahlenmessgerät zum Nachweis von Millimeter-Wellenlängen
ausgestattet sind. IRAM wird partnerschaftlich von der Max-Planck-Gesellschaft in Deutschland, INSU/CNRS in Frankreich und
IGN in Spanien betrieben.
(2) Die Rotverschiebung ist ein Maß für die Entfernung und damit für das Alter eines Objekts. Hat eine Galaxie etwa eine
Rotverschiebung von 2,3, sehen wir sie in einer Epoche, die einem Weltalter von 24 Prozent des heutigen entspricht, also
gut drei Milliarden Jahre nach dem Urknall.
Originalveröffentlichung:
L.J.Tacconi et al.
High molecular gas fractions in normal massive star forming galaxies in the young Universe
Nature 463, 781-784 (11 February 2010) (in englischer Sprache)
Pressemitteilung:
MPG Pressemitteilung vom 10. Februar 2010
Weitere Informationen erhalten Sie von:
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Dr. Hannelore Hämmerle
Pressesprecherin
Max-Planck-Institut für Astrophysik und
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Tel.: +49 89 30000-3980
E-Mail: hannelore.haemmerle
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Prof. Dr. Reinhard Genzel
Infrarot-/Submillimeter-Astronomie Gruppe
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Tel.: +49 89 30000-3280
E-Mail: genzel
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