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Beobachtungen einer weit entfernten, gewaltigen Explosion zeigen überraschende Bestandteile
früher Galaxien
Ein internationales Astronomenteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für
extraterrestrische Physik benutzte das kurze aber helle Aufleuchten eines weit entfernten
Gammastrahlenausbruchs (GRB vom englischen Gamma-Ray Burst) um den Aufbau entfernter Galaxien
zu untersuchen. Überraschenderweise zeigten die Beobachtungen, dass zwei Galaxien im jungen
Universum mehr schwere Elemente enthalten als die Sonne. Die beiden Galaxien könnten gerade
miteinander verschmelzen. Derartige Vorgänge im jungen Universum dürften zur Entstehung von
vielen neuen Sternen führen und könnten Gammastrahlenausbrüche auslösen.


Diese Bilder, aufgenommen mit GROND im R-Band, zeigen, wie der GRB im Laufe von neun Nächten
schwächer wird. Das erste Bild wurde nur etwa 30 Stunden nach der Meldung des Fermi-Satelliten aufgenommen.
Bilder: MPE
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Gammastrahlenausbrüche (GRB vom englischen Gamma-Ray Burst) sind die hellsten Explosionen im
Universum. Sie werden zuerst von Observatorien im Weltraum aufgespürt, die den anfänglichen,
kurzen Gammastrahlenblitz aufzeichnen. Nachdem ihre genaue Position bestimmt ist, werden sie
sofort mit großen, bodengebundenen Teleskopen beobachtet, die das sichtbare und infrarote
Nachglühen der GRBs über Stunden und Tage hinweg aufzeichnen können. Ein derartiger Blitz,
mit der Bezeichnung GRB 090323 wurde zuerst vom "Gamma-ray Space Telescope" der NASA entdeckt.
Schon bald danach fingen der Röntgendetektor auf dem Swift-Satelliten und das GROND-System am
MPG/ESO-2,2m-Teleskop das Signal auf. Mit den GROND-Daten konnten die Astronomen einen
Mindestwert für die Sternentstehungsrate abschätzen, die ein Vielfaches derjenigen in unserer
Galaxie betragen muss. Dieser Minimalwert rührt daher, dass die beobachtete Strahlung durch
den Staub der Galaxien beeinflusst (genauer gesagt absorbiert) wird. Die tatsächliche
Sternentstehungsrate könnte, wenn man die (unbekannte) Absorption durch Staub berücksichtigt,
leicht 50 Mal höher sein, als in unserer Milchstraße.
Der GRB wurde auch im Detail mit dem "Very Large Telescope" (VLT) der ESO untersucht, nur einen
Tag nach der Explosion. Diese Beobachtungen zeigen, dass das helle Licht des GRB durch seine eigene
Galaxie und eine weitere, nahe Galaxie hindurch scheint. Man sieht diese Galaxien, wie sie vor etwa
12 Milliarden Jahre ausgesehen haben. Derart weit entfernte Galaxien werden nur selten vom Licht
eines Gammastrahlenausbruchs angestrahlt.
"Als wir das Licht dieses GRB analysierten, wussten wir noch nicht, was wir finden würden. Es war
eine große Überraschung für uns, dass das kalte Gas in diesen beiden Galaxien im frühen Universum
solch eine unerwartete chemische Zusammensetzung hatte", erklärt Sandra Savaglio (Max-Planck-Institut
für extraterrestrische Physik), die Erstautorin des Artikels, der die neuen Ergebnisse beschreibt.
"Diese Galaxien enthalten mehr schwere Elemente als man je in einer Galaxie so früh im Universum
gesehen hat. Wir haben nicht erwartet, dass das Universum sich so früh chemisch schon so weit entwickelt
hat."

Diese künstlerische Darstellung zeigt zwei Galaxien im frühen Universum. Die helle
Explosion auf der linken Seite ist ein Gammastrahlenausbruch. Das Licht des GRB durchläuft
auf seinem Weg zur Erde (rechts außerhalb des Bildes) beide Galaxien. Eine Analyse der
Beobachtungen dieses Lichtes mit dem VLT zeigten, dass diese beiden Galaxien erstaunlich
reich an schwereren chemischen Elementen sind.
Bild: ESO/L. Calçada
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Als das Licht des GRB durch die Galaxien hindurchschien, fungierte das dort vorhandene Gas wie
ein Filter und absorbierte das Licht bei bestimmten Wellenlängen. Ohne den GRB wären diese schwach
leuchtenden Galaxien unsichtbar. Durch eine sorgfältige Analyse der charakteristischen "Fingerabdrücke"
der unterschiedlichen chemischen Elemente konnte das Team die Zusammensetzung des kühlen Gases in
diesen weit entfernten Galaxien bestimmen, insbesondere wie reich sie an schweren Elementen waren.
Man erwartet, dass Galaxien im jungen Universum geringere Mengen an schweren Elementen
enthalten als die Galaxien heute, wie die Milchstraße. Diese schwereren Elemente werden
von Generationen an Sternen während ihres Lebens und Sterbens produziert und reichern
sich im Gas der Galaxien an. Astronomen können anhand der chemischen Anreicherung in
Galaxien bestimmen, wie weit sich diese bereits entwickelt haben. Die neuen Beobachtungen
zeigen allerdings überraschenderweise, dass einige Galaxien bereits weniger als zwei
Milliarden Jahre nach dem Urknall einen sehr großen Anteil an schweren Elementen
enthalten - etwas, das bis vor Kurzem undenkbar gewesen wäre.
Das neu entdeckte Galaxienpaar muss in ungeheurem Tempo neue Sterne bilden, um das
kalte Gas so schnell und stark anreichern zu können. Da die beiden Galaxien sich sehr
nahe sind, könnten sie gerade miteinander verschmelzen, was zu Sternentstehung führen
würde, wenn die Gaswolken zusammenstoßen. Die neuen Ergebnisse bestätigen auch die
Theorie, dass Gammastrahlenausbrüche mit heftiger Sternentstehung einhergehen.
Die energiereiche Sternentstehung in Galaxien wie diesen könnte schon früh in der
Geschichte des Universums zum Erliegen gekommen sein. Zwölf Milliarden Jahre später,
also heute, würden die Überbleibsel derartiger Galaxien eine große Zahl an
Sternüberresten, wie Schwarze Löcher und kühle Zwergsterne, enthalten. Damit würden
sie eine schwer zu entdeckende Population an "toten Galaxien" bilden, die nur blasse
Schatten ihrer strahlenden Jugend sind. Derartige Leichen heute aufzuspüren würde eine
große Herausforderung darstellen.
"Wir können uns glücklich schätzen, dass wir GRB 090323 beobachten konnten, als er noch
hell genug geleuchtet hat. So war es uns möglich diese spektakulären, detaillierten
Beobachtungen mit dem VLT zu machen. Gammastrahlenausbrüche sind nur sehr kurze Zeit
so hell und qualitativ hochwertige Daten zu erhalten ist sehr schwer. Wir hoffen, dass
wir diese Galaxien in Zukunft wieder beobachten können, wenn wir sehr viel
empfindlichere Instrumente haben - sie wären eine perfekte Aufgabe für das E-ELT",
sagt Savaglio.
| Weitere Informationen : |
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Das Wissenschaftlerteam besteht aus S. Savaglio (Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik,
Garching bei München [MPE]), A. Rau (MPE), J. Greiner (MPE), T. Krühler (MPE; Technische Universität
München, Garching, Germany [TUM]; Dark Cosmology Centre, Niels Bohr Institute, University of Copenhagen),
S. McBreen (University College Dublin, Ireland; MPE), D. H. Hartmann (Clemson University, Clemson, USA),
A. C. Updike (Clemson; Dickinson College, Department of Physics and Astronomy, Carlisle), R. Filgas (MPE),
S. Klose (Thüringer Landessternwarte Tautenburg), P. Afonso (MPE), C. Clemens (MPE), A. Küpcü Yoldas (ESO,
Garching), F. Olivares E. (MPE), V. Sudilovsky (MPE; TUM) and G. Szokoly (Eötvös University, Budapest, Ungarn).
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| Originalveröffentlichung : |
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Super-solar Metal Abundances in Two Galaxies at z~3.57 revealed by the GRB090323 Afterglow Spectrum
S. Savaglio et al., MNRAS 2011
pdf (in englischer Sprache)
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| Weitere Veröffentlichung : |
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Optical and near-infrared follow-up observations of four Fermi/LAT GRBs:
redshifts, afterglows, energetics, and host galaxies
McBreen, S. et al.,
Astronomy and Astrophysics, Volume 516, A71 (2010) (in englischer Sprache)
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Astronomy Picture of the Day (24. November 2011; in englischer Sprache)
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| Pressemitteilungen : |
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ESO Pressemitteilung (in englischer Sprache)
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| Kontakt : |
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Dr. Sandra Savaglio
Astronomin
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Garching
Tel.: +49 89 30000-3358
Mobil: +49 151 5194 4223
E-Mail: savaglio@mpe.mpg.de
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Dr. Hannelore Hämmerle
Pressesprecherin
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Garching
Tel.: +49 89 30000-3980
E-Mail: hanneh@mpe.mpg.de
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