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Blick in den Nachthimmel mit über 250 Facettenaugen
Neues Beobachtungsgerät bereit für ersten Einsatz am Teleskop
Ende Mai 2010 wurde der VIRUS-W-Spektrograph vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
und der Universtäts-Sternwarte München fertiggestellt und ist nun bereit für seinen Einsatz am
McDonald-Observatorium in Texas. Mit seinem Sichtfeld, seiner spektralen Abdeckung und Auflösung
wird das Instrument insbesondere die Bewegung von Sternen und Gas in benachbarten Spiralgalaxien
untersuchen.
Bilder von astronomischen Objekten sind nicht nur schön und beeindruckend, sondern auch eine
wichtige Informationsquelle für die Astronomen. Neben Bildgebenden Kameras kommen aber auch so
genannte Spektrographen zum Einsatz, die das Licht in seine Regenbogenfarben zerlegen. Aus den damit
gewonnen Spektren kann man beispielsweise die chemische Zusammensetzung von Sternen oder Gas ableiten
oder Geschwindigkeiten bestimmen.
Der VIRUS-W-Spektrograph wurde nun speziell für die Beobachtung von lokalen Spiralgalaxien entwickelt.
Seine Besonderheit liegt in der Kombination eines vergleichsweise großen Gesichtsfeldes mit einer relativ
großen spektralen Auflösung. Mit seinem hoch auflösenden Modus wird er es den Wissenschaftlern
erlauben, in Spiralgalaxien die Bewegung von Sternen mit relativ kleinen Geschwindigkeitsunterschieden von nur
etwa 20 km/s (Geschwindigkeitsdispersion) zu untersuchen. Der zweite, etwas niedriger auflösende Modus
dient speziell der Studie der chemischen Zusammensetzung von Galaxien. Der Spektrograph wird ein
Gesichtsfeld von etwa 150x75 Bogensekunden haben, womit die kinematisch besonders interessanten
Zentralregionen von nahen Spiralgalaxien in nur ein bis zwei Aufnahmen untersucht werden können. Je
nach Helligkeit und scheinbarer Größe am Himmel kann eine Galaxie so in wenigen Stunden beobachtet werden.

Abb. 1: Der VIRUS-W-Spektrograph auf seiner optischen Bank aus zwei verschiedenen Blickwinkeln.
Das Licht aus den Glasfasern fällt zunächst auf den (gekrümmten) Kollimatorspiegel und wird dann
auf das hoch auflösende Gitter (im schwarzen, eckigen Gehäuse) reflektiert. (Das niedrig auflösende
Gitter ist noch nicht montiert.) Das aufgefächerte Lichtspektrum wird dann mit der gekühlten
CCD-Kamera (rundes Gehäuse) aufgezeichnet.
Bild: M. Fabricius, Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik/Universitäts-Sternwarte München
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Der eigentliche Spektrograph befindet sich dabei auf einer optischen Bank - einem Tisch im weiteren
Sinne - und ist durch ein 25 Meter langes Glasfaserkabel mit dem Teleskop verbunden. Von der Fokalebene
des Teleskops wird das Licht durch 267 Glasfasern mit einem Innendurchmesser von je 150 Mikrometern zu
den optischen Bauteilen geführt, die das Licht in die verschiedenen Wellenlängen auffächern. Das Herzstück
des Spektrographen sind zwei holographische Gitter, die - je nach Bedarf - automatisiert ausgetauscht
werden können. Holographische Gitter sind besonders effizient und produzieren außerdem sehr wenig störendes
Streulicht.
"Durch diese Tischmontierung ist das Instrument besonders stabil und die jeweilige Richtung, in die
das Teleskop für eine Beobachtung geneigt ist, beeinflusst nicht das Messergebnis", sagt Maximilian
Fabricius, der VIRUS-W größtenteils entwickelt und gebaut hat. "Immerhin sprechen wir hier von etwa
500 Kilogramm an Gewicht, die sonst bei jeder neuen Ausrichtung des Teleskops bewegt werden müssten."
Die Sicherung der mechanischen und damit der optischen Stabilität ist ein großes Problem für Instrumente,
die direkt am Teleskop angebracht sind.

Abb. 2: Anordnung der Glasfasern von VIRUS-W in der Fokalebene des Teleskops.
Bild: M. Fabricius, Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik/Universitäts-Sternwarte München
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Außerdem kann der Spektrograph so leichter an einen Einsatz an anderen Teleskopen angepasst werden.
"Da VIRUS-W nur über die Glasfasern mit dem Teleskop verbunden ist, muss nur das relativ kleine Ende
des Faserbündels jeweils an das neue Teleskop angepasst werden", so Fabricius weiter. VIRUS-W ist also
ein mobiles Instrument - so sind zum Beispiel neben dem McDonald Observatorium in Texas auch das MDM
Observatorium am Kitt Peak in Arizona und das zukünftige 2,1-Meter Fraunhofer Teleskop auf dem Berg
Wendelstein in Bayern wahrscheinliche Einsatzorte für VIRUS-W.
"Eine der Stärken heutiger 2m-Klasse Telekope liegt in der Realisierbarkeit von langen
Beobachtungskampagnen." sagt Niv Drory, der die Entstehung und Entwicklung von Galaxien in mehreren
Projekten untersucht. "Während man an 8m oder 10m Teleskopen typischerweise nur wenige Beobachtungsnächte
erhält, können Projekte an 2m-Klasse Teleskopen mitunter einige Dutzend Nächte Beobachtungszeit pro Jahr
bekommen. Kleine Teleskope haben außerdem ein größeres Gesichtsfeld, was in diesem Fall für uns sehr
positiv ist." Mit seinem weiten Sichtfeld und seiner hohen Auflösung eröffnet VIRUS-W damit ein neues
Fenster zur Untersuchung der Kinematik von Gas und Sternen benachbarter Galaxien, was Aufschluss über
deren Entstehungsgeschichte geben wird.
VIRUS-W entstand in Anlehnung an ein ähnliches Instrument, das gegenwärtig in einer internationalen
Kollaboration für eine ehrgeizige Beobachtungskampagne am 9,2-Meter Hobby-Eberly-Teleskop des
McDonald-Observatoriums in Texas entwickelt wird. Das VIRUS-Instrument, das aus etwa 150 einzelnen
Spektrographen besteht, soll ab 2012 innerhalb von drei Jahren 420 Quadratgrad des Himmels (rund 1000
mal die Größe des Mondes) beobachten. Ein Prototyp dieser Spektrographen, VIRUS-P, wird bereits seit 2007
am kleineren 2,7-Meter Harlan J. Smith-Teleskop des McDonald-Observatorium eingesetzt und stellte unter
anderem durch eine 30 Nächte dauernde Studie von lokalen Spiralgalaxien die Möglichkeiten dieses Instruments
eindrucksvoll unter Beweis. Aufgrund seiner relativ niedrigen spektralen Auflösung ist VIRUS-P aber nicht
für die Studie der Bewegungen von Sternen in Spiralgalaxien - der so genannten stellaren Kinematik - geeignet.
Die ersten Beobachtungen mit VIRUS-W am Harlan J. Smith-Teleskop in West-Texas sind für Ende Juni geplant.
Neben den Untersuchungen von Spiralgalaxien durch die Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für
extraterrestrische Physik und der Universitäts-Sternwarte wird das Instrument dann auch anderen
Forschergruppen auf Antrag zur Verfügung stehen.
Kontakt:
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