Infrarot- Astronomie
Mitarbeiter
Neueste Ergebnisse
Forschungsgebiete
Projekte
ARGOS
CONICA
FIFI LS
GRAVITY
KMOS
LUCIFER
MICADO
PACS
PARSEC
SPIFFI
Publikationen
Konferenzen
Interne Seiten
|
English version
COudé Near Infrared CAmera
CONICA (COudé Near Infrared
CAmera) ist ein Instrument mit dem am VLT im nah-infraroten
Spektralbereich von 1 bis 5µm beugungsbegrenzte Beobachtungen
durchgeführt werden können. CONICA bietet dabei die
Möglichkeit zur direkten Abbildung, Koronographie, Spalt-Spektroskopie
und abbildender Spektroskopie sowie zur Polarimetrie. Das Instrument wurde
für ESO in Zusammenarbeit des MPIA (PI Rainer Lenzen) und des MPE (CoI
Reiner Hofmann) gebaut. Das MPIA war für die Optik und die
Kryo-Mechanik verantwortlich, das MPE für das Detektor-Array und die
dazu erforderliche Elektronik. Die vorläufige Abnahme durch ESO war im
September 2001 beendet, die Inbetriebnahme am VLT zusammen mit der
adaptiven Optik NAOS begann im November 2001. Ab Herbst 2002 wird das
Instrument den Astronomen zur Verfügung stehen.
1991 wurde CONICA als Speckle-Kamera unter Verwendung der
größten damals existierenden Detektor-Arrays entworfen.
Vorgesehen waren ein HgCdTe NICMOS 3 Array von Rockwell mit 256x256
Bildelementen für den Spektralbereich 1 - 2.5µm und
ein InSb Array von SBRC mit ebenfalls 256x256 Bildelementen für den
Bereich 2.5 - 5µm. Als Mitte der neunziger Jahre
größere Arrays hergestellt wurden, wurde CONICA für den
Einsatz eines InSb ALADDIN Arrays von SBRC mit 1024x1024 Bildelementen
umkonstruiert, das den gesamten Spektralbereich von 1 bis 5µm abdeckt
und die beiden kleineren Arrays ersetzt. Dieses Array besitzt 32
Video-Ausgänge und kann mit 20 Hz ausgelesen werden, was für
Speckle-Beobachtungen im Nah-Infrarot-Bereich ausreicht. Ende 1996
wurde von ESO entschieden, CONICA mit einem adaptiven Optik System zu
kombinieren und beide in einem der beiden Nasmyth Fokusse des Teleskops zu
betreiben. Dieses System, genannt NAOS (Nasmyth Adaptive
Optics System), wird zwischen dem Teleskop und CONICA
eingebaut und korrigiert die von der Atmosphäre verursachten
Bildverzerrungen mit einem deformierbaren Spiegel. Ursprünglich war
NAOS nur mit Wellenfront-Sensoren für sichtbares Licht
ausgerüstet; im Laufe der Entwicklung wurde ein Wellenfront-Sensor
für den Infrarot-Bereich integriert, und damit wurde der Speckle-Modus
von CONICA überflüssig, wodurch die Datenspeicherung und
-Verarbeitung sehr vereinfacht wurde. NAOS wurde von einem
französischen Konsortium gebaut und ausführlich zusammen mit
CONICA in Paris getestet. Die Kombination von NAOS und CONICA ist das
komplexeste VLT-Instrument der ersten Generation.
Die Zeichnung rechts (oben) zeigt den Aufbau von CONICA (zur Vollbild
Darstellung bitte auf das Bild klicken).
Die Fotographie rechts zeigt den CONICA-Kryostaten (rot) am
Teleskop-Adapter (grau) zusammen mit dem Rack für die
Kontroll-Elektronik während Tests am MPIA in Heidelberg. CONICA wird
bei einer Temperatur von etwa 80 K betrieben, das Detektor-Array ist auf
35K gekühlt. Alle optischen Komponenten (mit Ausnahme des
Dispersions-Kompensators) befinden sich im Kryostaten. CONICA besitzt einen
festen Kollimator, 4 wechselbare Kamera-Optiken für den kurzwelligen
Bereich (1 - 2.5µm) mit Abbildungsmassstäben von 13.6,
27.3, 54.6 und 109.2 Milli-Bogensekunden/Pixel und 3 wechselbare
Kameras für den langwelligen Bereich (2.5 - 5µm) mit
Abbildungsmasstäben von 27.3, 54.6 und
109.2 Milli-Bogensekunden/Pixel. Das Gesichtsfeld liegt je nach Kamera
zwischen 14 und 73 Bogensekunden (vignettiert). CONICA besitzt 41
optische Transmissionsfilter, die in zwei Filterrädern montiert sind:
7 davon sind Breitband-Filter für die atmosphärischen Fenster, 3
sind auf spektralen Strukturen von Wassereis zwischen 3 und 3.6µm
(spektrale Auflösung R ~ 10) zentriert, 10 dienen zur Beobachtung
wichtiger Spektrallinien (R ~ 50 - 100) und 20 werden zur Auswahl der
Interferenz-Ordnung des kalten K-Band Fabry-Perot Etalons (R ~ 1800)
benutzt. 4 Grisms (Prismen mit Gitterstrukturen auf den Basisflächen)
stehen für niedrig auflösende Spektroskopie (R ~ 200 - 1000) in
allen Spektralbändern zur Verfügung. Die an den Himmel
projizierte Breite der Eintrittsspalte beträgt 42, 85 und 170
Milli-Bogensekunden. Polarimetrie kann mit 4 Drahtgitter-Polarisatoren
betrieben werden, deren relative Polarisationsrichtung 0, 45, 90 und 135
Grad beträgt. Zusätzlich stehen 2 Wollaston-Prismen zur
Verfügung, die 45 Grad gegeneinander verdreht sind. Jedes dieser
Prismen erzeugt zwei Bilder mit um 90 Grad verdrehter linearer
Polarisation, die etwa 3 Bogensekunden gegeneinander verschoben sind. In
die Bildebene des Teleskops (die innerhalb von CONICA liegt) können
auf einem Rad montierte Masken zur Begrenzung des Gesichtsfeldes,
Spaltmasken für die Grisms und koronographische Masken eingefahren
werden. In einem weiteren Rad in der Pupillen-Ebene befinden sich
Lyot-Blenden zum Ausblenden der Eigenstrahlung der zentralen Öffnung
im Hauptspiegel des Teleskops und der tragenden Struktur des
Sekundärspiegels. Ein einstellbarer Dispersions-Kompensator kann in
den Strahlengang vor CONICA eingefahren werden, um bei großen
Zenith-Distanzen die differentielle atmosphärische Dispersion im J-
und H-Band zu kompensieren, die in diesen Bändern von der gleichen
Größe wie das Beugungsbild eines 8m-Teleskops ist.
Die Fotografie rechts zeigt CONICA (rot) und NAOS (hellblau) am
Nasmyth-Adapter (dunkelblau) des VLT Teleskops Nummer 4 während der
Inbetriebnahme des Instruments im November 2001.
Das Bild darunter
zeigt links einen Stern, wie er auf einer Kurzzeit-Belichtung des
Detektor-Arrays erscheint, rechts den gleichen Stern wobei die
atmosphärischen Turbulenzen von der adaptiven Optik korrigiert wurden.
Die mittlere Darstellung zeigt den gleichen Sachverhalt als
Intensitätsverteilung. Zu beachten ist die Konzentration des Signals
in einer kleinen Fläche und die Verstärkung des maximalen Signals,
was einer entsprechenden Erhöhung der Empfindlichkeit für
Punktquellen entspricht.
Bildquellen: 1, 2 : MPE; 3, 4 : ESO;
© Infrared and Submillimeter Astronomy Group at MPE
last update:
11/08/2004, editor of this page: Thomas Ott
|